Das wilde Beltane: Feuer, Lust und die Kraft der Maiennacht

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  • Beitrag zuletzt geändert am:19. April 2026

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Das wilde Beltane: Feuer, Lust und die Kraft der Maiennacht
Über die wilde Kraft an Beltane

Rund um den 1. Mai geht es wieder los: wenn die Luft nach Frühling riecht, keimt in uns eine Idee von wilder Lebensfreude. Denn irgendwo in unserem kollektiven Gedächtnis schlummert die Erinnerung an etwas Uraltes und Unbändiges.
Dann feiern wir Beltane – das wilde Beltane!
Beltane ist eines der ältesten Feste der Menschheit. Es hat Römer, Kelten und christliche Geistlichkeit überlebt. Und es feiert genau das, was wir in dieser Jahreszeit tief in uns spüren: die rohe, leuchtende Kraft des Lebens.
Schau dir mal meinen Beltane-Artikel vom letzten Jahr an. Damals habe ich über die Gestaltung eines Beltane-Rituals geschrieben und über die Ursprünge von diesem wilden Jahreskreisfest erzählt.

Aber heute gehe ich mit dir einen Schritt weiter.

Das wilde Beltane und seine Geschichte

Das wilde Beltane
Die Geschichte eines uralten Jahreskreisfestes

Beltane ist zusammen mit Imbolc, Lughnasadh und Samhain eines der vier großen irischen-keltischen Jahresfeste. Auch in der modernen irischen Sprache ist Bealtaine [Bee-awl-tin-a] ganz einfach der Name für den Monat Mai.
Die Etymologie des Wortes ist nicht restlos geklärt. Die plausibelste Deutung verbindet bel (hell, leuchtend, strahlend) mit teine (Feuer), also: „leuchtendes Feuer“.
Eine Verbindung mit Belenus, dem keltischen Gott des Lichts, wird ebenfalls angenommen.

Die vier Jahreskreisfeste: Wenn das Land den Takt angibt

Die vier großen keltischen Feste waren keine astronomischen Ereignisse, wie ein Vollmond. Sie folgten den Wendepunkten des bäuerlichen Jahres:

  • An Imbolc (1. Februar) feierte man die ersten Lämmer und die Rückkehr der Milch.
  • Beltane (1. Mai) markierte den Aufbruch zur Sommerweide.
  • Lughnasadh (1. August) läutete die Ernte ein.
  • Samhain (1. November) begleitete die Rückkehr der Herden und den Beginn der Schlachtzeit.

Beltane war also der Moment, in dem das Vieh auf die Sommerweiden getrieben wurde. Das Feuer hatte dabei eine handfeste Schutzfunktion: Die Tiere wurden zwischen zwei lodernden Feuern hindurchgeführt, um Krankheiten abzuwehren.
Und das geht schon ziemlich lange so! Der älteste schriftliche Beleg dafür stammt immerhin aus dem Jahr 900 n. Chr.

das wilde beltane maifeuer
Beltanefeuer in Edingburgh

Heilige Hochzeit unter freiem Himmel

Das Herzstück von Beltane ist die Vereinigung.
Kosmisch gedacht, körperlich gefeiert.

Um die Fruchtbarkeit dieser Zeit zu ehren, liebten sich die Menschen in freier Natur. Dieser Liebesakt galt als Hochzeit zwischen Himmel und Erde.

handfasting
Handfasting

Beltane war auch die Zeit der sogenannten Handfastings. Paare versprachen sich für ein Jahr und einen Tag oder auf Lebenszeit.
Und die Wahl der Maikönigin, die noch heute an vielen Orten praktiziert wird, ist vermutlich eine letzte Erinnerung an die Verehrung einer Fruchtbarkeitsgöttin.

das wilde beltane
Die Krone der Maikönigin

Das wilde Beltane ist also nie ganz verschwunden. Es ist immer noch in uns verankert

Die Hexen auf dem Blocksberg: Was wirklich los war

Für die christlichen Mönche bedeute das wilde Treiben an Beltane das blanke Entsetzen. Und weil man das Volk nicht vom Feiern abhalten konnte, griff die Kirche zur Verleumdung.

Die sogenannten Hexen spielten zu Beltane tatsächlich eine Rolle. Priesterinnen und Druidinnen trafen sich an Orten wie dem Blocksberg. Sie nutzten halluzinogene Salben, um in andere Sphären zu schauen. Daraus erschuf die Kirche den Mythos der Hexe auf dem Besen, die Sex mit dem Teufel hat.

Freie wilde Frau
Ein Dorn im Auge: Die Figur einer freien wilden Frau

Walpurga ist ursprünglich der Name einer keltischen Göttin, die später christianisiert und heiliggesprochen wurde. Da man dem Volk dieses archaische Freudenfest nicht verbieten konnte, wurde die Feier der Heiligen kurzerhand auf die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gelegt.

Mein Buchtipp zum Thema das wilde Beltane und die wilden Frauen:

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Von Maia zu Maria: Die Erschaffung des Marienmonats

Hier wird die Geschichte besonders raffiniert. Die Kirche kämpfte nicht nur gegen keltische Bräuche, sondern auch gegen eine viel ältere Tradition.

Der Mai hat seinen Namen von Maia, der römischen Schöpfungs- und Wachstumsgöttin. Die Römer feierten außerdem zu Ehren der Göttin Flora Volksfeste mit Fruchtbarkeitsriten. Diese Tradition lebte im Mittelalter als Vertreibung des Winters und Begrüßung des Frühlings weiter.

Im Mittelalter übermalten die Kirchenoberen den Mai mit ihrer eigenen Fruchtbarkeitsgöttin: der Gottesmutter Maria. Sie verkörperte ein Bild der reinen, demütigen und klaglos leidenden Frau.
Der entscheidende Schachzug war nun, dass im Mai kein liturgisches Marienfest existierte. Der Monat war also frei. Und so widmete man ihn ganz einfach der Heiligen Maria als Ganzes.
Für eine frauenverachtende Organisation, wie die Kirche war das schon erstaunlich. Und es zeigt, wie wichtig es ihnen gewesen sein muss, den Beltane-Kult zu eliminieren.

Die ersten Belege für marianische Maifeiern stammen übrigens aus dem 13. Jahrhundert. Die Maiandachten als feste Institution entstanden 1784 in Ferrara. Ihren offiziellen Abschluss fand diese Entwicklung erst 1965, als Papst Paul VI. die besondere Marienverehrung im Mai per Enzyklika empfahl.
Es bleibt also alles beim alten.

Was uns bleibt

Beltane hat überlebt. Nicht trotz der Kirche, sondern gewissermaßen durch sie. Jeder Versuch, das Fest umzubenennen oder zu verbieten, hat es tiefer ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

maibaum
Traditionelle Maibäume in Oberbayern

Der Maibaum steht noch. Die Maikönigin wird weiterhin gewählt. In der Walpurgisnacht brennen noch die Feuer. Das Feuer des Belenus lässt sich eben nicht löschen.

Feiere das wilde Beltane auf deine Weise

ritual für das wilde beltane
Du bestimmst, wie du das wilde Beltane feierst!

Du musst kein Lagerfeuer entzünden und keine Maikönigin krönen, um Beltane zu feiern.

Tritt einfach am Abend des 30. April nach draußen. Spür die Luft, schau in den Himmel, nimm wahr, was in dir und um dich herum gerade erblüht. Zünde eine Kerze an. Koche etwas mit den ersten frischen Kräutern. Tanz, auch wenn du alleine bist.

Beltane fragt nicht nach Perfektion. Es fragt nur: Bist du bereit, das Leben zu bejahen?


Text: Das wilde Beltane: Feuer, Lust und die Kraft der Maiennacht ©mondyoga.de
Alle Fotos: Das wilde Beltane: Feuer, Lust und die Kraft der Maiennacht ©mondyoga.de teilweise unter Verwendung eines kostenlosen Stockfotos von Canva.com
Quellen:
– Beltane – Ursprung, Quelle und Bedeutung eines keltischen Festes (Oyssun.de)
– Beltane – Das keltische Fest des Sommerbeginns (Schamanismus Akademie)
– Marienmonat Mai (Gregorianik lernen)
– Walburgisnacht & Beltane: Die Feier zum Wechsel der Jahreszeiten (FuckLuckyGoHappy.de)

Zusammenfassung
Das wilde Beltane: Feuer, Lust und die Kraft der Maiennacht
Artikel Name
Das wilde Beltane: Feuer, Lust und die Kraft der Maiennacht
Beschreibung
Das wilde Beltane ist der Ursprung unserer Maifeiern. Hier erfährst du alles über die wilden Feuer, die Lust und die Kraft der Maiennacht aus uralter Zeit
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