Sommersonnenwende: Die Mythologie hinter dem längsten Tag

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  • Beitrag zuletzt geändert am:7. Juni 2026

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Sommersonnenwende: Die Mythologie hinter dem längsten Tag

Mythos und Mythologie rund um die Sommersonnenwende

Zur Sommersonnenwende am 21. Juni erreicht die Sonne ihren höchsten Stand. Das bedeutet, dass wir den längsten Tag des Jahres haben. Es wird also Zeit, Litha (oder Mittsommer und zugleich Sommeranfang) zu feiern. Denn dieser Tag markiert einen magischen Wendepunkt.
Genau diesen Übergang müssen unsere Vorfahren sehr deutlich gespürt haben.
Und das lange bevor Kalender und Kirche das Jahr ordneten!

Warum war die Sommersonnenwende für unsere Vorfahren so wichtig?

Für Kelten und Germanen war die Sommersonnenwende ein Höhepunkt im Jahreslauf. Sie feierten voller Dankbarkeit die nährende Kraft der Sonne und die Fruchtbarkeit.
Warum liegt hier schon wieder der Fokus auf Fruchtbarkeit?
Weil es den Menschen in früheren Zeiten immer wieder um ihr eigenes Überleben und das Überleben der Sippe ging. Ohne die Sonnenkraft gab es keine Ernte. Das Vieh und die Wildtiere fanden keine Nahrung und die Menschen litten Hunger und wurden krank. Die Sonne stand für Wachstum, Wärme, Ernte und Überleben.
Deswegen folgte das Dasein dieser Menschen dem Rhythmus von Licht und Jahreszeiten.

Baldur, Lichtgott und scheidender Chef der Sommersonnenwende

In der germanischen Überlieferung wird dieser Tag oft mit dem Lichtgott Baldur verbunden, ein Sprössling des Gottes Odin.
Der Legende nach wurde ihm, dem „leuchtenden Lichtriesen“, dieser Tag geweiht. Sein Gegenspieler war sein blinder Halbbruder Hödur, der das dunkle Winterhalbjahr verkörpert. Baldur lässt das junge Sonnenlicht von der Wintersonnenwende bis zur Sommersonnenwende anwachsen, um dann zu sterben. Dann beginnt die Zeit von Hödur.
Das ist das Rad des Lebens im Rhythmus mit der Natur.

Baldurs Kräutergarten

Johanniskraut
Johanniskraut eignet sich hervorragend zum Erstellen von Essenzen

Auch in den Kräutern lebt dieser Mythos weiter. Das Johanniskraut galt als Sonnenkraut. Der blutrote Saft, der beim Zerreiben der Blüten austritt, wurde von den Germanen symbolisch als das Blut des Sonnengottes Baldur gedeutet. Und die Kamille trug den zärtlichen Namen „Wimper des Baldur“.

Buchtipp zur Sommersonnenwende

Die Magie der Sonnenwenden von Wolf-Dieter Storl

Wo liegen unsere Wurzeln? Das Wissen um unseren Ursprung verblasst in der schnelllebigen modernen Zeit. Hier nimmt uns der renommierte Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl an die Hand und zeigt uns unseren Ursprung in der Natur. 
Dieses Sachbuch war nicht umsonst wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste!

Feuer, Räder und noch mehr Kräuter

Typisches Johannisfeuer
Typisches Johannisfeuer zur Sonnenwende

Das Herzstück von wichtigen Festen war seit jeher das Feuer. Die Sommersonnenwende wurde mit großen Feuern, Fackelläufen und brennenden Rädern begangen, die den Berg hinuntergerollt wurden. Das war ein leuchtendes Sinnbild der wandernden Sonne. Menschen tanzten um die Flammen und sprangen darüber. Sie sammelten Tau und Heilkräuter, denen man in dieser Nacht besondere Kraft zuschrieb. Feuer und Wasser, Sonne und Erde galten als miteinander verwoben.

Anmerkung: Du willst ein Fest feiern, in dem ein Feuer entfacht werden soll. Oder du planst einen Fackellauf oder möchtest brennende Räder den Berg hinunterrollen lassen? Dann sprich unbedingt mit deiner Gemeinde, ob und wo du das überhaupt machen darfst. In vielen Regionen herrscht bereits seit Anfang Mai Waldbrandgefahr!
Merke: Wir begegnen der Natur immer mit Respekt.

Aufpassen: Die Quellenlage über die Mythologie der Germanen ist unklar!

Sommersonnenwende Mythologie

Ein weiterer Hinweis ist mir hier wichtig. Die historische Quellenlage zur germanischen Religiosität ist dünn. Es gibt kaum Zeugnisse, und das wenige Erhaltene reicht nicht aus, um die Theorien von Jakob Grimm und anderen Mythologie-Begeisterten zu belegen. Viele der heute „germanisch“ genannten Deutungen gehen erst auf das 19. Jahrhundert zurück. Mehrere wissenschaftliche Studien legen nahe, dass die Deutung der Johannisfeuer als explizit germanische Sonnwendfeuer auf ein Geschichtsbild des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zurückgeht. Vieles ist also weniger uralt, als es klingt. Ein Teil dieser Romantisierung wurde später leider auch von völkischen Strömungen vereinnahmt.
Ein bewusster Umgang gehört für mich dazu.

Wie aus Litha Johanni wurde (und alles beim Alten blieb)

Das Fest verschwand auch im Zuge der Christianisierung nicht. Es wurde lediglich umgewidmet. Der Johannistag ging aus dem Mittsommerfest der Kelten und Germanen hervor. Aus den Sonnwendfeuern wurden Johannisfeuer zu Ehren der Geburt Johannes des Täufers, eines Wegbereiter von Jesus Christus. Der Bezug ergibt sich aus dem Bibelwort „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Joh 3,30). Diese Worte bezog man auf die Sonne. So wurden die heidnischen Sonnenwendfeuer auf Christus umgedeutet.

So trägt Litha bis heute beides in sich. Da ist die heidnische Feier des Lichts. Und da ist ihre christliche Überlagerung. Für mich aber liegt der eigentliche Zauber dieses Tages woanders. Litha erinnert mich an das große Rad der Natur, an das ewige Auf und Ab. Baldur steht auf dem Höhepunkt seiner Kraft. Und schon beginnt die leise Wachablösung mit Hödur. Das ist kein trauriger Gedanke. Es ist der Rhythmus, der alles Lebendige trägt.

Und das Schönste daran: Der Sommer ist jetzt nicht vorbei. Er fängt gerade erst richtig an. Vor uns liegen sonnige Tage und warme, lange Abende, an denen wir die Natur so richtig genießen können. Wenn du an Litha eine Kerze entzündest oder Kräuter räucherst, dann feiere genau das. Nicht den Abschied vom Licht, sondern seinen Höhepunkt. Schau dir mal meinen Artikel über Litha aus dem letzten Jahr an! Da findest du tolle Ritualideen.

Genieße den Sommer, der nun vor dir liegt.

Sommersonnenwende

Berühmte letzte Worte

Im Moment geht es hier auf MondYoga rund und die Artikel folgen Schlag auf Schlag! (Oder Woche um Woche)
Denn in der nächsten Woche werde ich hier den MondYogaKalender für das 2. Halbjahr 2026 veröffentlichen.
Also: bleib mir treu!


Text: Sommersonnenwende: Die Mythologie hinter dem längsten Tag ©mondyoga.de
Alle Fotos: Sommersonnenwende: Die Mythologie hinter dem längsten Tag ©mondyoga.de unter Verwendung kostenloser Stockfotos von Canva.com


Quellen: Sonnwendfeuer (Brauchwiki); Sommersonnenwende und Litha (Zauberkräuter)


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