Ist Yoga eine Religion? Wie viel Spiritualität steckt in Yoga?

ist yoga eine religion
Wie viel Spiritualität steckt in Yoga?

Die einen Menschen praktizieren Yoga, um ihren Körper gelenkig und fit zu halten. Die anderen sehen in den Asanas deren spirituellen Inhalte. Und manchen Yogaschülern sind beide Komponenten wichtig. Aber ist deswegen Yoga eine Religion?
Die griechisch-orthodoxe Kirche behauptet dies zumindest und warnt ihre Gläubigen davor, Yoga zu praktizieren.

Ich habe versucht, dieser schwierigen Frage einmal nachzugehen.
Und gleich im Vorfeld gebe ich zu, dass es sich hier um meine ganz persönliche Meinung handelt. Und das man über meine Ausführung durchaus getrennter Meinung sein könnte.

Die Argumente der griechisch-orthodoxen Kirche

Die in Griechenland und im griechischen Teil Zyperns beheimatete griechisch-orthodoxe Kirche beschloss im Juni dieses Jahres auf einer Synode folgende Aussage:

„Yoga ist mit dem Glauben orthodoxer Christen absolut unvereinbar und hat im Leben von Christen nichts zu suchen.“

In einem Interview im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) erklärte dies Stefanos Athanasiou, ein Dozent für orthodoxe Theologie so:

„Das Problem ist, dass das eigene Ich beim Yoga sehr betont wird, also das Hineingehen in sich, um sich selbst zu finden. Das entspricht nicht dem Gebet, so wie es im östlichen Christentum verstanden wird. Beten ist ein Heraustreten in die Kirchengemeinschaft; man betet zu Jesus Christus.“

Im Weiteren kritisiert er, dass auch, wenn Yoga nur als Sport betrachtet wird, dennoch eine Philosophie oder Theologie transportiert wird.

Und somit ist in seinen Augen Yoga eine Religion und unvereinbar mit dem orthodox-christlichen Glauben. (Das komplette Interview könnt ihr auf in diesem Artikel vom SRF nachlesen.)

Im Übrigen sind die orthodoxen Christen mit ihrer Meinung nicht alleine. Bereits vor einigen Jahren haben auch die muslimischen Führer von Malaysia ihren Anhängern Yoga untersagt.

Ist Yoga wirklich eine Religion?

Ist Yoga überhaupt eine Religion? Wie kann Yoga den Glauben ergänzen?

Yoga kommt aus dem Kulturkreis des Buddhismus, Hinduismus und Taoismus. Zwischen den Religionen im ostasiatischen Raum gibt es immer wieder Überschneidungen. Und natürlich könnte man nun philosophieren, ob der Buddhismus wirklich eine Religion oder mehr eine Philosophie sei. Aber dies würde nun zu weit führen.
Tatsache ist aber, dass in seinen Ursprungsländern Yoga nicht nur der körperlichen Ertüchtigung dient. Ganz automatisch geht es hier auch um ein gewisses spirituelles Verständnis und Entwicklung.

Was bedeutet überhaupt Religion?

Die Definition des Wortes Religion ist nicht einfach und ich bin keine Theologin.
Eine Religion beinhaltet eine Weltanschauung und den Glauben an eine Sinngebung und an eine höhere Macht.
Der Begriff religio bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit oder bedenken, achtgeben.

Und das passt ja schon mal ganz gut zu Yoga, zum Beispiel der Achtsamkeit, mit der die einzelnen Asanas ausgeführt werden sollten. Meint ihr nicht auch?

Yoga als Religion?

Jeder kann eine Religion gründen und man kann alles zur Religion erklären. Manch einer erhebt seine Ernährungsgewohnheiten zur Glaubensfrage. Andere behandeln die Frage, wie sie ihre Bekleidung zusammenstellen sollen, mit einer solchen Intensität, die bald an die Religionskriege früherer Jahrhunderte erinnert.

Und natürlich kann man auch Yoga auf eine Weise betreiben, die stark einer Religion gleicht.
Aber wollen wir das wirklich?

Die spirituelle Seite des Yoga

Wie spirituell oder religiös ist Yoga eigentlich?
Wie spirituell oder religiös ist Yoga eigentlich?

Mit Yoga können auch verschiedene spirituelle Inhalte transportiert werden. Und das macht es für alle Sinnsuchenden so attraktiv.

Inhalte wie korrekte Atmung, Mediationslehre, Chakrenlehre, Ayurvedische Ernährung und Medizin und anderes können für viele von uns ein wertvoller Zugewinn in unserer Lebensgestaltung bedeuten.
Leider – und das muss man immer dazu sagen, wenn man sich mit dem Thema Spiritualität auseinandersetzt – gibt es hier auch schwarze Schafe. Damit meine ich Lehrer, Kursleiter, Autoren, die versuchen, die Menschen zu manipulieren und finanziell auszubeuten.
Aber eigentlich sollten solche oft schon kriminelle Aktivitäten auf einem anderen Blatt stehen.

Die körperliche Seite des Yoga

Für viele Yogaschüler steht lediglich die körperliche Seite des Yoga im Vordergrund. Für sie ist Yoga eher ein Sport, asiatische Lebensweisheit interessiert sie überhaupt nicht.
Natürlich wird auch bei einer solchen Betrachtung eine gewisse Bewusstseinserweiterung angestoßen. Aber fragt einmal einen Jogger oder einen Wanderer, was sein Sport ihm alles für Erkenntnisse schenkt.
Denn jede körperliche Betätigung macht unseren Kopf frei und lässt uns auch innerlich durchatmen. Insofern könnte man auch behaupten, dass auch bei Sportarten, wie Rasenhockey das eigene Ich überbetont werden könnte.

Ist nun Yoga eine Religion – Ja oder nein?

Ich betreibe wie gesagt keine Theologie oder sowas wie vergleichende Religionswissenschaften. Ich mache lediglich Yoga.

So, wie ich Yoga in der westlichen Welt sehe und so, wie ich es praktiziere und hier weitergebe, ist Yoga keine Religion. Man kann evangelischer, katholischer, koptischer Christ sein oder auch Muslim, Atheist, Agnostiker, Paganist sein und trotzdem mit Begeisterung und mit Erfolg Yoga betreiben. Den Yoga ist keine Religion, es kann uns aber im Glauben unterstützen.

Auf die spirituelle Komponente von Yoga lasse ich mich gerne bis zu einem gewissen Grad ein. Denn sie kann eine Bereicherung im Alltag bedeuten. Deswegen richte ich meine Übungseinheiten beim MondYoga auch nach den Mondzeichen.
Ansonsten lehne ich jegliches Sektentum und alle Pseudoreligionen ab und kann euch nur raten, dies auch zu tun.

Berühmte letzte Worte:

Die Argumente der griechisch-orthodoxen Kirche kann ich nicht nachvollziehen. Möglicherweise sehen die Glaubensführer dank der Popularität, die Yoga gerade in den letzten Jahren erfahren hat, die Gefahr des Machtverlusts. Ich hoffe aber sehr, dass dies nicht in übrigen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften die Runde macht.

Denn Yoga kann ein Zugewinn für jede Form der Religion sein.

Welche Meinung habt ihr zu dem Thema?

***

Alle Fotos: Ist Yoga eine Religion? Wie viel Spiritualität steckt in Yoga? ©mondyoga.de unter Verwendung eines kostenlosen Stockfotos von Hans Vivek/Unsplash
Text: Ist Yoga eine Religion? Wie viel Spiritualität steckt in Yoga? ©mondyoga.de
Zusammenfassung
Ist Yoga eine Religion? Wie viel Spiritualität steckt in Yoga?
Artikel Name
Ist Yoga eine Religion? Wie viel Spiritualität steckt in Yoga?
Beschreibung
Ist Yoga eine Religion? Nachdem die griechisch-orthodoxe Kirche Yoga für ihre Gläubigen abrät, versuche ich der Frage nachzugehen, wie viel Spiritualität und Religion in Yoga steckt.
Autor

2 Kommentare zu „Ist Yoga eine Religion? Wie viel Spiritualität steckt in Yoga?“

  1. Danke für diesen Beitrag, liebe Sabiene!
    Ich sag wirklich immer: Yoga ist meine Religion! Einfach weil es mittlerweile für mich nicht nur die tägliche Praxis ist, sondern weil es in so viele Bereiche meines Lebens Einfluss hat – weil mein Denken sich durch meinen Praxis verändert hat. Mein Geist agiert anders. Ich hab mich verändert. Und ja, ich bin davon überzeugt, dass das (u.a.) mit meiner Yogapraxis zu tun hat. Und in gewisser Weise ist die tägliche Praxis schon eine Art Ritual – wie das halt auch viele Regionen haben (tägliches Gebet usw.).
    Also ja, für mich ist Yoga meine Religion, ohne dass ich das auf einen theologischen Boden stelle ;-) Namaste!

    1. Iane: So ähnlich wie du sehe ich das auch. Yoga könnte man vielleicht eher mit Lebenseinstellung und Glaubenshaltung definieren. Ich glaube aber dennoch im Gegensatz zu der griechisch-orthodoxen Kirche nicht, dass Yoga irgendeiner Religion etwas nimmt. Aber es könnte natürlich schon sein, dass jemand, der von vorneherein bereits Zweifel an seinem Glauben hatte, durch Yoga auf ganz andere Gedanken kommt. Aber mit solchen Entwicklungen sollte auch eine Weltreligion leben können.
      LG
      Sabiene

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.