Achtsamkeit – Viel mehr, als nur ein Trend!

Dieser Artikel wurde zuletzt geändert am/vor 3 Monaten

Achtsamkeit - Viel mehr, als nur ein Trend!
Achtsam leben, denken und tun

Ich bin kein Freund von Neujahrsvorsätzen, aber ich suche mir in jedem Jahr ein Motto, das mich in den kommenden zwölf Monaten begleiten soll. Als ich mir Ende letzten Jahres überlegt habe, unter welchem Leitgedanken das kommende Jahr nun stehen könnte, fiel mir ganz spontan Achtsamkeit ein.
Und das war mir dann schon ein wenig peinlich.
Denn kaum ein Begriff ist inzwischen so abgedroschen und hohl und überstrapaziert, wie dieser – egal ob man das englische Mindfulness verwendet oder halt eben die deutsche Entsprechung.
Warum ich diesen Begriff als Motto dennoch sehr passend finde und warum es sich für uns alle lohnt, dass wir uns Achtsamkeit zu üben, erkläre ich in diesem Artikel.

Achtsamkeit – Viel mehr als nur ein Trend

Egal, ob Selbstverwirklichung, Burnout, Resilienz oder halt eben Achtsamkeit: Immer wieder wird der eine oder andere psychologische Begriff gehypt. Solche Trends ernähren dann einige Zeit ganze Industriezweige. Gerade in diesem Fall konnten Printmedien aller Art entsprechende Sachbücher auf den Markt werfen. Mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigen sich nicht etliche Ratgeber, Magazine und Meditations-Apps. Und mit der Krimi-Reihe „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse fand dieses Thema einen – vorläufigen – augenzwinkernden Höhepunkt.

Aber was ist nun dran an diesem Trend – außer das man damit Geld verdienen kann? Dafür müssen wir uns mal darüber unterhalten, um was es sich hier dreht.

Wer hats erfunden?

Du ahnst es schon: erfunden hat dies nicht ein findiger Autor von gewichtigen Pseudo-Ratgebern. Entstanden ist diese Disziplin als Meditationsform oder -grundlage im ganz frühen Buddhismus, allerdings in einem komplexeren Zusammenhang. (Dazu schreibe ich weiter unten noch ein paar Worte)
In den siebziger Jahren nahm der Professor und Doktor der Medizin Jon Kabat-Zinn diesen Gedanken wieder auf und entwickelte einen Kurs gegen Stress. Und somit waren die Begriffe Mindfulness und MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduktion) in die Welt gesetzt. Unter diesem Motto bieten sehr sozial eingestellte Arbeitnehmern ihren Mitarbeitern Entspannungskurse an. Spielt der Chef nicht mit, kann man seine Krankenkasse fragen, ob sie einem einen solchen Kurs sponsert. Denn man sieht in diesen Methoden sehr viel Potential, um die Konzentrationsfähigkeit und Effektivität zu fördern und gleichzeitig die geistige Gesundheit zu stärken.

Um was geht es in der Achtsamkeit überhaupt?

Bei Achtsamkeit geht es einmal grob gesagt um Konzentration und um das Dasein im Hier und Jetzt.
Vielleicht hat dich früher deine Omi ermahnt, dass du besser aufpassen sollst, was du tust oder wo du hintrittst.
Genau darum handelt es sich hier.
Du übst dich darin, alles um dich herum achtsam und zugleich emotionslos und völlig wertungsfrei zu betrachten. Es betrifft das Innehalten, dass sich gewahr werden, das „nicht mehr Unachtsam sein“. Achtsamkeit oder Mindfulness kann Inhalt einer Meditation sein, aber auch im Alltagsleben praktiziert werden. Und Yoga besteht ebenso aus achtsam ausgeführten Übungsabläufen.
Achtsames betrachten und Vorurteil passen überhaupt nicht zusammen. Und Achtsamkeit ist der natürliche Feind von Multitasking aller Art, vom Musikhören beim Joggen und von deinem Smartphone.
Dafür schenkt es dir innere Ruhe und Konzentrationsfähigkeit.
Und Freude am Leben.

Achtsam im Fluss sein

Achtsamer Blick auf einen Fluss
Achtsamer Blick auf den Main bei Klingenberg.

Um dir einmal zu verdeutlichen, was das genau bedeutet, kann ich dir ein gutes Beispiel zeigen.

Stell dir vor, dass du von einer Brücke aus auf einen Fluss blickst. Du stehst sicher am Geländer und unter dir fließt das Wasser irgendwo hin – wahrscheinlich in Richtung Meer. Du siehst ein Schiff auf dem Fluss, ein paar Enten, die Uferböschung und vielleicht sogar einen schönen Himmel.

Auch du bist im Fluss und beobachtest, was unter dir geschieht. Alles ist einfach nur da. Alles ist weder gut noch schlecht. Und nichts verlangt ein Eingreifen von deiner Seite.

Dies ist eine wunderbare erste Achtsamkeitsübung für dich.

Mit diesen drei Übungen kannst du dich in Achtsamkeit schulen

So kannst du dich in Achtsamkeit schulen: 3 einfache Übungen für überall
Drei ganz einfache Übungen für mehr Achtsamkeit

Alles will geübt sein, bis es sich wie selbstverständlich in unser Leben etabliert hat.
Und hier verrate ich dir weitere drei Achtsamkeitsübungen, die ich sehr schätze:

1. Achtsam essen

Das ist leicht, denn schließlich essen wir jeden Tag.
Zur Vorbereitung ist es hilfreich, wenn du dir nett den Tisch deckst und dir deine Mahlzeit schön auf den Teller drapierst. Schalte alle Störquellen (Fernseher, Radio, Handy) aus. Wahrscheinlich ist es für dich besser, wenn du alleine bist.
Betrachte nun den Teller mit deinem Essen.
Was siehst du, welche Farben beherrschen das Bild?
Rieche an dem Essen.
Macht das Essen ein bestimmtes kleines Geräusch, wenn du es mit der Gabel oder Löffel auf dem Teller verschiebst?
Nehme nun zwischendurch einen Schluck klares Wasser, lade dann eine kleine Portion auf deine Gabel oder Löffel. Rieche noch einmal daran, betaste es mit den Lippen und lege das Essen auf deine Zunge.
Was fühlst du nun?
Welche Temperatur hat das Essen?
Kaue langsam und bedächtig mindestens dreißig Mal.
Welcher Geschmack hat sich nun in deinem Mund entwickelt?
Bist du bereit, diesen Bissen nun hinunterzuschlucken?
Wenn ja, dann schlucke und spüre dem Essen nach, wie es deine Kehle hinunter in Richtung rutscht.

Wiederhole diese Übung so lange, bis du satt bist. Du wirst feststellen, dass Achtsamkeit und Fast Food nicht gut zusammenpassen.

2. Achtsam gehen

Wenn wir gehen, beschäftigen wir uns oft mit allerlei anderen Ablenkungen. Aber des Gehens selbst machen wir uns meistens nicht bewusst.
Du kannst diese Übung überall praktizieren: in der Stadt, auf dem Flur, im Büro oder im Wald. Aber ich empfehle dir, sie erstmal in Ruhe in der Natur auszuprobieren.

Atme zu Beginn ein paar Mal tief ein und wieder aus. Indem du normal weiteratmest, mache den ersten Schritt.
Wie fühlen sich deine Beine während der Bewegung an? Deine Füße? Bei jedem Schritt?
Wie spürst du deine Schuhe? Drücken sie an einer Stelle?
Kannst du den Untergrund spüren?
Ist das Tempo gut für dich – nicht zu schnell, nicht zu langsam?
Ist dein Atem ruhig?
Wie arbeiten deine anderen Muskeln mit, zum Beispiel die Arme, die Schultern?
Widme dich nun deiner Umgebung.
Was hörst du, was kannst du riechen?
Und was kannst du sehen?

Mache solange mit dieser Gehmeditation weiter, bis du angekommen bist oder dir der Chef entgegen kommt.

3. Achtsam atmen

Diese Achtsamkeitsübung ist ebenso ganz leicht, denn geatmet wird auch immer.
Setze dich bequem auf einen Stuhl und schließe deine Augen. Atme ein paar Mal extra tief ein und wieder aus. Atme dann normal weiter.
Beobachte dabei deinen Atem.
Wo spürst du die Luft in deinen Körper ein- und wieder ausfließen? An den Nasenlöchern? Oder in der Kehle?
Bewegt sich beim Atmen dein Brustkorb oder dein Bauch oder beides?
Beobachte dein Einatmen, dein Ausatmen und die kurze Zeit dazwischen. Aber greife niemals ein.

Diese Übung kannst du immer machen, wenn du dich verwirrt, unsicher oder gestresst fühlst. Dein Atem ist eine wichtige Konstante für dich und immer spürbar.

Achtsamkeit in der Kritik

Es ist ja nicht immer alles Gold was glänzt und natürlich gibt es auch etliche Kritikpunkte im Zusammenhang mit der Achtsamkeit.
Als erstes wäre da natürlich der Hype und die Geldmacherei zu nennen. Generell bin ich ja der festen Überzeugung, dass man wirklich nicht jedem Trend oder Hype hinterherhecheln muss. Aber man sollte möglichst vieles einmal ausprobieren und gucken, wie es zu einem passt.

Viele Leute machen Achtsamkeitskurse nicht um achtsam zu meditieren, sondern zur lediglich Selbstoptimierung und um ihr Arbeitspensum zu steigern. Das ist halt ein wenig dürftig.

Ganz schlecht ist es natürlich wenn man vor lauter Achtsamkeit mit der Nabelschau nicht mehr fertig wird. Es ist immer wichtig, bei allem das richtige Maß und Ziel zu haben.

Nervig sind auch die Zeitgenossen, die sich auf das achtsame Beobachten beschränken und keinerlei Initiative oder Einschreiten zeigen. Zu Beginn habe ich erwähnt, dass im Buddhismus Achstamkeit in einem komplexeren Zusammenhang steht. Und das ist die Ethik und die Weisheit, die immer als Disziplin mit dazugehören.

Um auf das Beispiel mit dem Fluss zurückzukommen: Du blickst achtsam auf deinen fließenden Fluß und entdeckst plötzlich, dass dort jemand am Ertrinken ist. Natürlich beobachtest du diese Szene nicht in aller Ruhe und dann noch absolut wertfrei. Natürlich wirst du Hilfe holen und selber Hilfe geben.

Berühmte letzte Worte

Ich hoffe, dir haben meine Ausführungen zum Thema Achtsamkeit gefallen.
Hast du dich damit schon einmal beschäftigt? Gibt es eine Ergänzung, die du mir gerne mitteilen möchtest?
Dann nur zu! Ich freue mich über jeden Kommentar.

Übrigens kann man einen solchen Artikel kaum ohne Recherchearbeit schreiben. Ganz besonders witzig und interessant geschrieben fand ich diesen vom Magazin brand eins mit dem Titel Deckung.

Vorschau auf die nächsten Artikel

In der nächsten Woche erscheint auf Sabienes Welt ein neuer Artikel. Aber ich bin mir noch nicht über das Thema im Klaren.
Hier auf MondYoga kannst du dich am 30. Januar auf die Asana des Monats Februar freuen!

Stay tuned!


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Text: Achtsamkeit – Viel mehr, als nur ein Trend! ©mondyoga.de
Alle Fotos: Achtsamkeit – Viel mehr, als nur ein Trend! ©mondyoga.de teilweise unter Verwendung eines kostenlosen Stockfotos von Canva. Der Blick auf den Main bei Klingenberg ©Sabiene Schmelmer

Zusammenfassung
Achtsamkeit - Viel mehr als nur ein Trend!
Artikel Name
Achtsamkeit - Viel mehr als nur ein Trend!
Beschreibung
Achtsamkeit ist viel mehr als nur ein Trend oder Hype. Hier erkläre ich dir, was hinter diesem Begriff steckt und zeige dir drei einfache Achtsamkeitsübungen.
Autor

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Jennifer beccard

    Liebe Sabine, ich mag Deine Mondyogaseite sehr. Bin ich froh, bei meinen Recherchen zu ihr geführt worden zu sein. Vielen Dank für Deine liebevolle Art und Deine dafür gegebene Lebenszeit.
    Ich freue mich sehr über den Mondzeichenkalender. Ich selbst bin 50 und unterrichte seit dem letzten Sommer regelmäßig Yoga in einem kleinerem, aber wie ich empfinde feinem am See gelegenen Sport und Wellness und Gesundheitszentrum. Für mich ist es gerade die Erfüllung eines Wunsches und Vision und ich bin jeden Tag dankbar dafür. Da ich wöchentlich 2 bis 3 Yogaklassen geben von 50 bzw. 80 min, kann ich soviel lernen dabei, über die Yoginis, Yogis und mich, und bei meiner Unterrichtsgestaltung habe ich mich tatsächlich von den Mond Kalender, den Mond Zeichen und dazu passenden Asanas leiten lassen. Es kam inspirativ intuitiv zu mir, ich fing an, es auszuprobieren und fand es angenehm und auch erdend, wie eine Basis, die mir selbst Ruhe und Vertrauen für mich, meinen Unterricht und ja auch meinen Körpertempel😍schenkte.
    Meinen Schülern vermittle ich (noch) nicht das ich nach Mond und Sternzeichen und Körperregionen, den Unterricht gestalte.
    Das ist bis jetzt eher mein Forschen, erfahren und beobachten. Ich bin selbst sehr gespannt, wie sich alles weiter gestalten und fügen wird. Die Reaktionen meiner Schüler, zeigen mir in jedem Fall, daß ich zur richtigen Zeit, am richtigen Ort bin. Sie sind dankbar, ich bin dankbar.
    Ach ich liebe überhaupt, die vielfältigen Wege des Yoga, so viele Tore, Türen die es zu öffnen gibt. Und dazu all die vielen schönen Hilfsmittel, Werkzeuge….
    (Wie auch ❤️Achtsamkeit💖zum Beispiel)
    Yoga ist für mich immer wieder nach Hause kommen, dorthin, wo Geborgenheit, Akzeptanz, Freude, Fülle, Ruhe, Weite, Sicherheit, Unendlichkeit, Liebesfluss, Schönheit und so Vieles mehr auch zu Hause sind….

    Ich wünsche Dir weitere gute Heilung bei Deinen Oberschenkelbruch und viel Genuß beim Achtsamkeitsüben.

    Liebe Grüße,
    Namasté
    Jennifer

    1. Sabiene

      @Jennifer: Vielen herzlichen Dank für deinen ausführlichen und lieben Kommentar! „Yoga ist wie nach Hause kommen“ – Genau so ist es auch für mich.
      LG
      Sabiene

  2. Liebe Sabiene,
    vielen Dank für den tollen und übersichtlichen Artikel. Ich empfinde es auch so, dass das Thema Achtsamkeit (ähnlich wie Yoga oder vegane Ernährung) bei vielen als Lifestyle-Thema Verwendung findet. Tatsächlich stört mich das überhaupt nicht, soll sich doch jede*r rauspicken, was passt. 😊
    Ich finde eigentlich den Grundsatz aber soo wichtig, dass alles Leid vermieden werden soll. Daraus lassen sich dann wieder viele gute Schlüsse ziehen. Und wenn viele Menschen etwas dazu beitragen, macht es unsere Welt mit Sicherheit zu einem besseren Ort.

    Herzliche Grüße,
    Simone

    1. Sabiene

      @Simone: Das ist ein ganz entscheidender Grundsatz!
      LG
      Sabiene

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